wenn wilde vögel fliegen

Privatsphäre auf einer Langzeitreise

Ob für jede von uns persönlich oder für uns als Paar: Nach längerer Zeit auf Reisen nimmt das Thema Privatsphäre einen immer größeren Stellenwert ein. Dinge wie Frühstück zu zweit, in Ruhe das stille Örtchen aufsuchen oder einfach mal die Tür hinter sich zuziehen können, waren in unserer Wohnung in Deutschland eine Selbstverständlichkeit für uns. In unserem Alltag auf Reisen ist eine solche Ungestörtheit NICHT immer selbstverständlich.

Wir sind verliebt ins Reisen, keine Frage. In andere Kulturen einzutauchen, Einheimische kennenzulernen und von ihnen einen Einblick in ihr Leben zu bekommen, reizt uns sehr.

Zweisam einsam

Allerdings muss für uns, bei aller Offenheit, immer ein gewisses Maß an Privatsphäre gegeben sein. Wir müssen genug Raum für uns haben, sonst fühlen wir uns in unserer Freiheit schnell eingeschränkt. Und das macht viel mit uns.

Wahrscheinlich ist ein solches Empfinden vor allem eine Typfrage. Wir für unseren Teil genießen gemeinsame Zeit mit der Familie oder mit Freunden sehr, lieben gemeinsames Essen oder auch mal eine Party. Ja, ab und an sind wir durchaus gesellig, aber meistens sind wir vor allem eines: Gern allein miteinander. Gern zweisam einsam.

In der Konsequenz sind wir zum Beispiel beide absolut keine Hostelmenschen. Die Vorstellung, mit vielen fremden Menschen gemeinsam in einem Mehrbett-Zimmer zu übernachten, hat uns schon immer abgeschreckt. Wir haben es nie ausprobiert, möchten es dabei aber auch gerne belassen. 😀 Im Zweifel geben wir dann lieber etwas mehr Geld aus und haben dafür unsere Ruhe.

Als wir uns in Australien zuletzt eine Unterkunft mit einem australischen Ehepaar teilten, war das schon grenzwertig. Wir hatten zwar ein eigenes Zimmer und sogar ein eigenes Bad zur Verfügung, aber die gemeinsame Küche und das gemeinsame Wohn- und Esszimmer waren dennoch irgendwie too much. Wir fühlten uns irgendwie eingeengt und waren, bei allem Luxus, den die Wohnung bot, nach 14 Tagen froh, wieder ausziehen und für uns sein zu können.

Kompromisse?

Mit Menschen aus unserem Umfeld in Deutschland können wir durchaus längere Zeit am Stück gemeinsame Zeit verbringen. So zum Beispiel in den letzten Wochen und Monaten vor Reisebeginn. Unsere Wohnung war schon aufgelöst und wir wohnten mal hier und mal da, um nochmal Zeit mit allen Lieben zu verbringen und die verbleibende Zeit zu überbrücken. Da fielen Kompromisse, die wir beim Zusammenleben automatisch eingehen mussten, nicht sehr schwer.

Auf der Reise fällt uns jedoch verstärkt auf, dass wir Kompromisse bei fremden Menschen nicht so gut eingehen können und möchten. Während unseres Roadtrips durch Australien hatten wir fast immer unsere eigenen vier Autowände. Unser eigenes, kleines Zuhause auf Rädern. Alles, was wir brauchten, um glücklich zu sein. In manchen Momenten ist es uns sogar gelungen, komplett auszublenden, dass wir auf den Campingplätzen, die wir Nacht für Nacht ansteuerten, nicht die einzigen Bewohner waren. Wenn es schön ruhig war, viel Abstand zwischen den Stellplätzen eingehalten wurde und wir uns schon fast wie Zuhause fühlen konnten, blieben wir auch gerne mal 2 Nächte an einem Ort. In solchen Momenten hat das mit der Privatsphäre durchaus ganz gut geklappt – in anderen dann aber auch wieder nicht. Nachbarn, die fast in unserem Schlafzimmer parkten, laute Musik, bellende Hunde, störende Lichtquellen – eine endlos lange Liste. Nicht in der Nachbarwohnung oder dem Nachbarhaus, sondern eben unmittelbar neben uns.

Körperpflege...

Ob angenehme oder nervige Nachbarn, eines mussten wir natürlich sowieso fast immer mit ihnen teilen: die sanitären Anlagen. Und, ihr werdet es euch vorstellen können: Das war nicht immer ein Vergnügen! Der Zustand der öffentlichen Toiletten variierte stark. Ab und zu war der morgendliche Gang schon eine ziemliche Überwindung. Nach einem Jahr auf Reisen können wir voller Überzeugung sagen: Den Luxus, sich auf eine Toilettenbrille SETZEN zu können, weiß man erst so richtig zu schätzen, wenn man es monatelang NICHT konnte.

Abgesehen von der Sauberkeit waren wir auf diesen Toiletten so gut wie nie allein. Wenn doch mal 2 Minuten niemand gleichzeitig mit uns auf’s Klo musste und wir unser Geschäft ungestört verrichten konnten, feierten wir nachher eine Party. Ab einem gewissen Punkt freuten wir uns sogar, wenn es keine Toiletten gab und wir stattdessen unsere Schaufel in die Hand nehmen mussten…

In Bezug auf das Duschen hatten wir da weniger Probleme. Eine eigene und abschließbare Duschkabine war natürlich immer gern gesehen, aber auch offene Duschen waren eben besser als keine Duschen. Ob Campingplatz, Schwimmbad, Raststätte, öffentliche Einrichtung – mal mehr und mal weniger gemütlich: JEDE Dusche kam uns gerade recht. Da waren wir wenig anspruchsvoll – Hauptsache Wasser! Sich auf belebten Campingplätzen mal auf die Schnelle ein bisschen zu waschen oder schlicht umzuziehen, konnte nämlich manchmal durchaus Geschick erfordern.
Kleiner Witz am Rande: Einmal ließen wir uns beim ungestörten Duschen so viel Zeit, dass die Mitarbeiterin der Tankstelle uns unangekündigt und wutentbrannt das Wasser abstellte, obwohl wir für die Dusche bezahlt hatten – Annikas Haare waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgespült…

Immer unter Leuten

Auch unabhängig von der Körperpflege geben wir auf Campingplätzen eigentlich immer etwas von unserer Privatsphäre preis. Die Nachbarn können uns immer auf den Teller schauen… Und tun das zum Teil auch sehr gerne! Ob beim Kochen, beim Aufräumen, beim Entspannen – ein Stück weit fühlen wir uns immer öffentlich. Nicht zuletzt in Bezug auf den Austausch von Zärtlichkeiten. Damit haben wir an sich in der Öffentlichkeit kein Problem (siehe Beitrag „Als Frauenpaar auf Reisen oder Reisen homosexuelle Paare anders?”). Aber egal, ob man damit offen oder eher zurückhaltender umgeht: Die meisten Menschen werden wohl unterschreiben, dass sich Zweisamkeit in der Öffentlichkeit einfach anders anfühlt als Zuhause.

Als Paar ist uns sehr wichtig, dass zwischen all den tollen Erlebnissen und Erfahrungen auch in fremden Ländern, an fremden Orten ab und zu mal das Gefühl von ungestörter Zweisamkeit aufkommt. „Would you lay with me and just forget the world?” Einfach mal liegen, stehen, sitzen und die Welt um uns herum vergessen. Zeit nur für uns. Denn genau diese Zeit schätzen wir so sehr (und haben darüber schon im Artikel „Eine Weltreise als Paar“ berichtet).
Wenn nicht auf einem Campingplatz, dann eben woanders. Einsame Strände, unberührte Landschaften, menschenleere Orte – davon hatte Australien eine ganze Menge für uns zu bieten. Im Laufe der Zeit haben wir gelernt, uns unsere Privatsphäre im Rahmen der Möglichkeiten einfach zu NEHMEN. Zuhause in Deutschland war sie selbstverständlich, aber auch auf der Reise ist sie nicht unmöglich.

You get what you pay for!

Alles in allem möchten wir uns nicht beschweren, denn schließlich bezahlen wir in den meisten Fällen dank Freecamping nichts für unsere Übernachtungen. Wir könnten uns ja auch einfach ein (teures) Hotelzimmer nehmen… Dieses Geld investieren wir dann aber doch lieber in Benzin oder andere Dinge, um noch mehr zu erleben. Manchmal sind wir vielleicht genervt, aber im Endeffekt ist das wohl der Preis, den wir zahlen. Ein Roadlife getreu dem Motto: You get what you pay for!

Wir haben jedenfalls immernoch Bock! Auch in Neuseeland werden wir wieder ein Auto kaufen, darin schlafen und leben. Mit allem drum und dran. Mit allen Vor- und Nachteilen. Mit allen Höhen und Tiefen, die eine Langzeitreise ausmachen…
Wie wichtig ist euch persönlich das Thema Privatsphäre, speziell auf Reisen und wie schafft ihr sie euch? Wir sind gespannt auf eure Geschichten!

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